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Otto Schumacher

Tuesday, December 15, 2015 - 16:33

Marienheide ist ein kleiner Ort im Bergischen Land in der Nähe von Köln. Eigentlich würde man hier nichts Besonderes erwarten, aber wie das Leben so spielt, findet man die schönsten Dinge dort, wo man sie am wenigsten vermutet.

So auch in Marienheide, denn hier ist der Hauptsitz der Sattlerei Otto Schumacher. Gleichnamiger Sattlermeister gründete 1953 die Sattlerei und fertigte Geschirre für die umliegenden Bauern, die damit dann ihre Pferde einspannten und die Felder bestellten. Die Liebe zum Pferd und zu Qualität hat die nachfolgende Generation zum Glück genauso in ihren Bann gezogen und 1987 begann man mit der Herstellung von Sätteln. 1995 übernahmen dann Ulrike Schumacher-Rinker und ihr Mann Thomas Rinker die Leitung des Unternehmens. Das beschert uns heute Trensen, Kandaren und Sättel in schönsten Formen und bester Qualität, hergestellt von ausgebildeten Reit- sportsattlern. 1989 wurde die Nachfrage nach den Sätteln so groß, dass man wegen eines Fachkräftemangels eine Werkstatt auf Malta gründete, die heute noch besteht. Aber auch dort wird größten Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität sowie faire Löhne und Arbeitsbedingungen gelegt. „Das Schlimmste ist, finde ich, wenn wir Mails aus Indien bekommen. Die Leute dort schicken uns Bilder von Trensen, die könnten von uns sein. Aber zu unglaublichen Preisen, da kann man ahnen, unter welchen Bedingungen diese Teile entstanden sind. So etwas würden wir nicht machen, man hat auch eine Verantwortung den Leuten gegenüber“ sagt Ulrike Schumacher-Rinker, die Tochter und heutige Geschäftsleitung der Sattlerei. Das schließt auch die Materialauswahl mit ein. Schumachers verwenden ausschließlich Leder aus Süddeutschland und der Schweiz, das in Deutschland und Europa vegetabil gegerbt wird. Alle anderen Elemente wie die Swarovski-Steine, Beschläge, Nähgarn oder Gurtband kommen ebenfalls aus Deutschland, beziehungsweise Österreich. So wird sichergestellt, dass die Produkte, die die Sattlerei verlassen, schadstofffrei sind und die Menschen dahinter faire Löhne erhalten.

Die Mitarbeiter sind Ulrike Schumacher-Rinker und ihrem Mann Thomas Rinker das Wichtigste. Ohne die eigenen Leute läuft nichts im Unternehmen, alle Mitarbeiter bringen ihre Ideen in die Produktion mit ein. Vielleicht ist das auch das Geheimnis hinter den wunderschönen Trensen. Zwar ist fast jede dritte Trense oder Kandare, die das Haus verlässt, ein Unikat, aber die Grundelemente, aus denen der Kunde auswählen kann, entstammen Thomas Rinkers Entwicklung, der jeder Idee seiner Angestellten Beachtung schenkt. Das hebt natürlich die Motivation und sorgt für ein ganz außergewöhnliches Betriebsklima. Selten ist jemand krank und in Stoßzeiten mit viel Arbeit sind die Mitarbeiter ganz selbstverständlich für den Betrieb da. Damit das so bleibt, zeigt die ganze Familie Einsatz: „Mein Vater ist jetzt 87, der ist immer noch jeden Tag im Betrieb und unterstützt uns. Unser Sohn Tim ist gelernter Reitsportsattler und fast rund um die Uhr hier“, lacht Ulrike Schumacher-Rinker. „Unsere Tochter Kathrin arbeitet frei für uns, sie studiert noch in Köln an der FH für mehrsprachige Kommunikation und macht alle unsere Übersetzungen. Mein Schwager Guido ist im Außendienst für uns unterwegs und zeigt den Fachhändlern unsere neuesten Entwicklungen. Und dann ist da noch meine Cousine, sie ist gelernte Masseurin, die alle vierzehn Tage in die Werkstatt kommt und unsere Näher massiert. Jeder kann sich dann eine halbe Stunde entspannen und von seiner Arbeit erholen. Bei uns sollen sich alle wohlfühlen, nur dann kann man erfolgreich arbeiten.“ berichtet sie weiter. Da hat Cousine Susanne alle Hände voll zu tun, denn in der Werkstatt in Marienheide arbeiten dreizehn Facharbeiter, sieben davon sind Reitsportsattler.

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist vielleicht auch Schuld am Bestseller der Sattlerei. Das beliebteste Grundmodell ist die rundgenähte „München“, die mit einem Genickpolster zur „Feel-Good“ erweitert werden kann. Otto Schumacher selbst hat vor mehr als dreißig Jahren die Rundnaht entwickelt, die das Unternehmen weltweit so beliebt gemacht hat. Kürzlich erst wurde ein Ersatzstück für eine Trense in Australien gefertigt, die ihren zwanzigsten Geburtstag bereits hinter sich gebracht hatte.  In unzähligen Varianten wurde das gute Stück schon produziert. Einmal für eine Messe mit echten Brillanten, die aber nicht zum Verkauf stand, ein anderes Mal wurde eine Sonderanfertigung des Modells für ein Mini-Shetty bestellt. „Eine Salz-und-Pfeffer-Trense, also mit schwarzem und weißem Leder, hat ein Russe gekauft und gesagt, die sei für Putin. Ob das stimmt, kann ich natürlich nicht sagen“ schmunzelt Ulrike Schumacher-Rinker, „aber wir haben fast jede Woche einen außergewöhnlichen Wunsch dabei. Oft kommt einer unserer Näher und zeigt uns eine Bestellung, von der man vorher nicht gedacht hätte, dass das so gut aussehen würde“. Auch die Sättel lassen sich individuell gestalten, mit Strasssteinen in verschiedenen Applikationen. Zwar gibt es keinen direkten Vertrieb von Maßsätteln, denn die Sättel werden von Einzelhändlern und lokalen Sattlern vertrieben, aber durch seine ausgeschnittene Kammer liegt ein Schumacher-Sattel sehr gut auf fast jedem Pferderücken. Wer einen solchen sein eigen nennen möchte, lässt sein Pferd vom Sattler seines Vertrauens vermessen, der dann die Maße an die Sattlerei Otto Schumacher weitergibt. Der Sattel wird dann nach den Vorgaben des Sattlers gefertigt und an diesen geliefert. „Anpassungen an ein anderes Pferd, wenn man zum Beispiel auf ein anderes umgestiegen ist, sind im Rahmen auch möglich. Das muss man dann individuell entscheiden. Wir haben auch Kunden aus Hannover, die kommen mit ihren Pferden extra zu uns gefahren und lassen ihre Sättel hier anpassen. Auch das ist möglich“ erklärt Schumacher-Rinker. Weltmeisterschaftsreiterin Fabienne Lütkemeier reitet ebenfalls in einem Schumacher-Sattel, der eigens für sie angefertigt wurde und der dazu passenden „Feel-Good-Kandare“. Massenware ist nicht das Ziel der Sattlerei, es sind eher die individuellen Stücke, die hier gefertigt werden und die das Unternehmen ausmachen. Das ist die Stärke von Otto Schumacher.

So kam es dann 2012 zur Erweiterung des Sortiments durch die Kollektion von Armbändern. Thomas Rinker wollte 2011 eigentlich nur seiner Frau eine Freude zu Weihnachten machen und fertigte ihr ein Armband aus Leder und Swarovski-Steinen an. Das fand dann nicht nur Ulrike schön, sondern auch die Außendienst-Mitarbeiterin der Firma Swarovski, die regelmäßig die Sattlerei besucht. Sie leitete Bilder des Stücks an Swarovski weiter und informierte einen Designer aus Berlin. So kam es, dass die Sattlerei bei der Premium in Berlin gemeinsam mit der Firma Swarovski ausstellte und die Armbänder sich nun größter Beliebtheit erfreuen.

Doch woher kommt all die Inspiration? Wie sollte es anders sein - natürlich von den Pferden! Fast jeder Mitarbeiter reitet in seiner Freizeit, selbstverständlich mit Equipment von Schumacher. So werden die Produkte gleich selbst getestet und entstehen aus echter Erfahrung durch den Gebrauch derselben. Für das besondere Design ist allerdings ein Pferd verantwortlich, das alle Kunden sicher schon einmal gesehen haben. Er ist das Gesicht der Sattlerei Schumacher: Leonardo Da Vinci, der elfjährige Rappwallach aus der Zucht von Familie Böttcher aus dem beschaulichen Erding in Bayern, mit der Frau Schumacher-Rinker immer noch Kontakt hält. Leo, wie er liebevoll genannt wird, ziert auch die Seiten des Kataloges der Sattlerei. Familie Schumacher verkaufte ihn aus Zeitmangel an Ulrike Schumacher-Rinkes Assistentin Lisa Röhrig, die ihn in der vergangenen Saison erfolgreich in der Schweren Klasse vorstellte. „Auf Turnieren ist er immer etwas aufgeregt, schon wenn es ans Einflechten geht, weiß er Bescheid“ erzählt Lisa von ihrem Schatz. „Leo ist schon ein wenig eine Diva, das Modeln macht ihm großen Spaß! Er schaut immer nett in die Kamera, als wüs- ste er worum es geht. Bis jetzt wurde er nur einmal vertreten, als er eine Verletzung hatte und wirklich nicht fröhlich gucken wollte“ berichtet sie über Leos ungewöhnlichen Job. Vier Stunden am Tag verbringt Lisa mit Leo, womit der Wallach mehr als einverstanden ist und es ihr mit hübschen Schleifen und wunderschönen Bildern dankt. „Für mich ist Leo das beste Pferd der Welt“, sagt Lisa lachend, wahrscheinlich denkt Leo das gleiche über seine Reiterin. Für Thomas Rinker ist Leo die Quelle seiner Inspiration, denn der Kopf des Rappen ist wirklich außergewöhnlich hübsch und eignet sich zudem hervorragend zum Maßnehmen. Was an Leo gut aussieht, schmückt mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Vierbeiner der Kunden. Man darf also gespannt sein, welche Kreationen uns in den kommenden Saisons in den Reitbahnen begegnen.

Fotos: Valentin Mühl

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